Dein Auge, das unbekannte Wesen?

Nachfolgend möchten wir Ihnen den Aufbau des Auges und seine Funktionsweise etwas erläutern. Den prinzipiellen Aufbau sehen Sie hier:



Der "Augapfel" wird umschlossen von einer Lederhaut. Diese Lederhaut ist eigentlich lichtundurchlässig. Nur im vorderen Bereich, wo tatsächlich Licht eintreten soll, ist sie auch transparent. Diesen durchsichtigen Teil der Lederhaut nennt man auch Hornhaut. Die Hornhaut wird durch unsere Tränenflüssigkeit feucht gehalten. Die Tränenflüssigkeit dient außerdem der Reinigung der Hornhaut und beseitigt schädliche Keime.

Wie unsere normale Haut, so kann sich auch die Hornhaut nach Verletzungen regenerieren. Allerdings bleiben nur oberflächige Verletzungen ohne Folgen. Bei tieferen Schäden können Narben entstehen, die dann unser Sehvermögen beeinträchtigen.

An die Hornhaut schließt sich die vordere Augenkammer an, sie ist mit einer glasklaren Flüssigkeit gefüllt. Dann folgt die Iris, die sich wie die Blende an einem Fotoapparat öffnen und verkleinern kann und so den Lichteinfall ins Auge regelt. Die Iris kann durch Pigmente (Farbstoffe) in verschiedenen Farbtönen erscheinen und wird deshalb auch als Regenbogenhaut bezeichnet. Die mittige Öffnung in der Regenbogenhaut, durch die schließlich das Licht ins Auge fällt, ist die Pupille.

Die Iris kann sich sehr schnell verkleinern, was dem Schutz des Auges vor grellem Lichteinfall dient. Die Öffnung geht dagegen wesentlich langsamer vor sich. Man merkt das, wenn man z.B. vom hellen Sonnenlicht in einen abgedunkelten Raum tritt. Dieser Mechanismus kann durch Drogen-, Medikamenten- oder Alkoholkonsum zusätzlich gestört werden.

Hinter der Iris liegt die Linse. Die Linse ist der wesentlichste "Apparat" in unserem Auge, wenn es um das Scharfsehen geht. Durch einen ringförmigen Muskel kann die Linse gewölbt, oder auch abgeflacht werden. Dadurch ändert sich der Wert der Lichtbrechung und Gegenstände in unterschiedlicher Entfernung können scharf abgebildet werden.

Unsere Linse trübt im Laufe des Lebens ein, wodurch sich Beeinträchtigungen des Sehvermögens ergeben. Dies ist ein an und für sich natürlicher Vorgang, der allerdings durch erbliche Vorgaben und andere Risikofaktoren bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausprägt ist. Eine typische Alterserscheinung ist der sogenannte "graue Star", in der Medizin als "Katarakt" bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Trübung der Linse, die dadurch die Lichtstrahlen nicht mehr sauber brechen kann, sondern sie diffus verstreut. Den grauen Star kann man durch eine Operation, bei der eine künstliche Linse ins Auge implantiert wird, behandeln. Alternativ, oder für weniger schlimme Fälle gibt es auch Starbrillen oder Kontaktlinsen.

Und noch eine Alterserscheinung der Linse hat direkte Auswirkungen auf die Sehfähigkeit: Da die Linse im Laufe der Zeit an Elastizität verliert und verhärtet, können die Muskeln nicht mehr genug Kraft aufbringen, um nahe Gegenstände scharf zu stellen (Akkomodation). Sie benötigen dann eine Lesebrille.

Kommen wir nun zum Glaskörper. Er ist mit einer gelee- oder gelatineartigen, klaren Substanz gefüllt und dient in erster Linie dazu, das Auge in Form zu halten. Daneben schützt dieses Gel das Auge gegen Stöße und Erschütterungen. Bei jungen Leuten ist es klar und ungetrübt. Mit zunehmendem Alter verflüssigt sich der Inhalt aber und es entstehen Glaskörpertrübungen, die allerdings harmlos sind. Glaskörpertrübungen äußern sich darin, dass man beim Blick auf gleichmäßig helle Flächen fädchenartige Gebilde, Mücken oder ähnliches wahrnimmt, die in Wirklichkeit gar nicht da sind.

Wenn das Licht sich schließlich durch alle diese Medien "durchgearbeitet" hat, fällt es auf die Netzhaut. Auf ihr befinden sich in einer hauchdünnen Schicht die Sinneszellen, die das einfallende Licht in elektrische Impulse umwandeln. Es gibt zwei Arten von Photorezeptoren: die sogenannten Zapfen, mit denen Farben wahrgenommen werden können, und die Stäbchen, die lediglich für schwarz-weiß-Sehen geeignet sind. Das auf die Netzhaut auftreffende Licht löst in den Zapfen und Stäbchen einen elektrischen Reiz aus, der über den Sehnerv an das Sehzentrum im Gehirn weitergeleitet wird. Hier werden die Impulse wieder umgewandelt und uns als Seheindrücke bewusst.

Den Ort auf der Netzhaut, wo der Sehnerv eintritt, bezeichnet man als blinden Fleck. Da sich dort keine Lichtsinneszellen befinden, kann dort auch kein Licht wahrgenommen werden. Daneben gibt es in der Netzhautmitte den gelben Fleck, die Stelle des schärfsten Sehens. Dort befinden sich ausschließlich Zapfen. Die Sehschärfe der Netzhaut nimmt dann nach außen hin immer mehr ab. Gefährlich für die Netzhaut sind insbesondere Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen, aber auch Prellungen des Augapfels, durch die Netzhautblutungen entstehen können.

Die Funktionsweise unseres Auges kann man sehr gut mit der eines Fotoapparates vergleichen. Auch der verfügt über ein Objektiv (Hornhaut, Vorderkammer und Linse), über eine Blende (Iris) und an der Rückseite des Gehäuses (Glaskörper) befindet sich der lichtempfindliche Film (Netzhaut). Der eigentliche Vorgang der bewussten Wahrnehmung der vom Auge übermittelten Impulse ist allerdings ein wesentlich komplizierterer Vorgang als die Entwicklung eines Films. An der Entstehung des bewußten Seheindrucks spielen nämlich eine Reihe von Gehirnarealen eine wichtige Rolle. Treten dort Störungen auf, kann dies dazu führen, dass ein Gegenstand zwar vom Auge richtig wahrgenommen und dieser Sinneseindruck weitergeleitet wird. Das Gehirn kann aber mit dem empfangenen Bild nichts anfangen, da die entsprechenden Verknüpfungen fehlen.